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Stricken als Gegenpol zu Alltag - Selbermachen ist "in"

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Erschienen am 21.08.2010 in Allgemein zum Thema: , , , , , , , geschrieben von JaWolle.


Vor ein paar Tagen bin ich bei meinem Hausarzt über einen tollen Artikel im PatientenMagazin 3. Quartal 2010 mit der Überschrift "Die Lust am Selbermachen" gestolpert, den ich Ihnen einfach nicht vorenthalten darf.

In dem Bericht geht es darum, warum es glücklich macht, mit eigenen Händen etwas zu erschaffen. Es geht um Nähen, Schreinern, Renovieren, Einkochen, Gärtnern und natürlich ums Stricken. Hier ein kleiner Auszug:
Vorbei die Zeiten, in denen es als spießig galt, in der Freizeit zu werkeln und zu tun. Psychologen überrascht der Trend zum "Do it yourself" nicht. "Unsere  Arbeitswelt ist kleinteilig und abstrakt" sagt Professor Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für medizinische Psychologie an der Universität Leipzig. In vielen Berufen haben die Angestellten kaum Gelegenheit, sich einzubringen. Sie können ihr Handeln nicht selbst bestimmen, dürfen kaum etwas entscheiden. "Ein kreatives Hobby schafft dafür einen Ausgleich. Es runden einen persönlich ab", erklärt Brähler. Trendforscher deuten die Lust am Selbermachen auch als Ausdruck zunehmender Sehnsucht nach Individualität. Ein selbst genähter Rock statt Massenware: Wer selbst Hand anlegt, hat das Produkt, seine Materialien die Herstellungswege und Arbeitsbedingungen unter Kontrolle.
"Wir setzen etwas Handwerkliches gegen die globalisierte, materielle Welt", erläutert Psychologe Brähler. "Das befriedigt einen Drang nach Abgrenzung, verantwortlichem Handeln und Entschleunigung." Einmal ausprobiert, wird das Zupacken für viele Feierabend-Heimwerker, Schal-Stricker, Wochenend-Köche, oder Balkon-Gärtner zu einem Lebensstil, das sie nicht mehr missen möchten. Denn es zählt zu den menschlichen Grundbedürfnissen aus eigener Kraft und Überlegung heraus etwas zu erschaffen. Vielleicht ist es schief und krumm, doch wir können es als eigene Leistung verbuchen. "Solche Erfahrungen können womöglich seine positive Einschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten auch in anderen Situationen", sagt Dr. Sonja Lippke, Psychologin an der Freien Universität Berlin.