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Es ist nicht immer alles nur schwarz oder weiß - ein offener Brief an PETA!

Deiser Beitrag ist bereits älter als 2 Jahre. Daher könnten manche Informationen veraltet sein.
Erschienen am 02.03.2016 in haekelmode.com Specials, "Ja" zur Wolle zum Thema: , , , , geschrieben von JaWolle.


Sehr geehrte Frau Fuhrmann,
Sehr geehrtes Team der PETA,

wir erhielten gestern nachfolgende E-Mail von Ihnen im Auftrag von PETA, mit dem Betreff "Garne & Co ohne Tierleid". Da Ihre E-Mail mit dem Satz "Wir freuen uns über redaktionelle Berichterstattung" endet, gehen wir davon aus, dass wir diese E-Mail veröffentlichen dürfen.

Ihre Sichtweise ist meiner Meinung nach extrem einseitig und man könnte meinen, Ihre Welt sei nur schwarz und weiß. Dem ist aber nicht so. So präsentieren Sie regelmäßig wirklich schockierende Fotos über Missstände, die in der Tat verboten gehören. Doch stellt sich mir die Frage, sind dies Ausnahmen oder die Regel? Ist ein vollständiger Verzicht auf Schurwolle wirklich DIE Lösung?

Ich möchte in meinem Brief komplett auf Bilder verzichten, da ich nicht schockieren, sondern grundsätzlich zum Nachdenken anregen möchten.

Sie loben Polyacryl, eine syntetische Chemiefaser, die in der Regel aus Erdöl produziert wird. Sind Sie sich darüber im Klaren, wie viele Tiere regelmäßig an Erdöl leiden oder kläglich zugrunde gehen? Wie Erdöl Tieren schadet, können Sie z.B. im Blog von meertext.eu (Stand 01.03.2016) nachlesen.

Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn die Schafe nicht geschoren werden?
Die meisten Schafrassen gehen elend zu Grunde, wie das Beispiel der RSCPA (ebenfalls eine Tierschutzorganisation) zeigt (Quelle: abc.net, 01.03.2016)
oder leiden an mangelnder Hygiene, so Stefan Völl, Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) (Quelle: rp-online.de, 01.03.2016)

Was wäre eine Folge, wenn wir alle nur noch Baumwolle tragen würden?
Es würden Monokulturen mit extrem hohen Wasserbedarf entstehen. Eine Folge wäre ein erhöhter Düngerbedarf (Kunstdünger). Wie dies u.a. der Natur schadet, können Sie im universal_lexikon.deacademic.com (Stand 01.03.2016) nachlesen. Wem würde der erhöhte Wasserverbrauch schaden? Den Menschen in den Anbaugebieten, die in der Regel eh schon nicht viel Wasser haben.

Daher folgende abschließende Fragen von uns:
Wäre es nicht sinnvoller, Aufklärung vor Ort zu betreiben, als die Konsumenten mit Extremfällen zu schockieren?
Wäre es nicht sinnvoller, für einen ordnungsgemäßen Umgang mit den Schafen (bzw. allen Tieren) zu sorgen?
Wäre es nicht sinnvoller, seine Garne bei Lieferanten zu kaufen, die darauf achten?
Wäre es nicht sinnvoller, der gesamten Umwelt zuliebe, auf Produkte auf Erdöl Basis zu verzichten?

Eines möchten wir aber ganz explizit betonen: Auch wenn wir dem Verzicht von Schurwolle kritisch gegenüber stehen, so können und wollen wir bspw. Mulesing und andere Arten der Tierquälerei weder unterstützen noch gut heißen. Einen solchen Umgang mit Tieren verurteilen wir aufs Schärfste!

Liebe Grüße von JaWolle
Dominik Janßen

Am 1. März 2016 um 11:16 schrieb Pressestelle PETA e.V.:

Garne & Co ohne Tierleid: PETA-Expertin gibt Tipps für tierfreundliches Häkeln und Stricken

Stuttgart, 1. März 2016 – Tierfreundliche Handarbeit: Während sich lange Zeit vorwiegend Großmütter in ihrer Freizeit dem Häkeln und Stricken widmeten, hat das eigene Herstellen von Kleidungsstücken mittlerweile Einzug in nahezu alle Altersklassen gehalten. Viele Garne zum Häkeln und Stricken bestehen jedoch aus Wolle, die unter tierquälerischen Umständen gewonnen wird: Ermittlungen von PETA USA haben aufgedeckt, wie Schafe bei der Schur geschlagen, mit Metallscheren geschnitten oder sogar getötet werden – Angorakaninchen wird auf Streckbänken bei lebendigem Leib ihr Fell aus der Haut gerissen. Ähnlich ergeht es auch Kaschmirziegen, deren weiche Unterwolle ihnen grob ausgekämmt wird, während sie gefesselt am Boden liegen. Tierfreunde lassen sich die Freude an der Handarbeit aber nicht nehmen und entscheiden sich für Strick- und Häkelgarne aus pflanzlichen und synthetischen Fasern. Dazu gehören Baumwolle, Viskose, Polyester, Polyamid (Nylon) und Polyacryl. Für eine optimale Funktionalität werden pflanzliche Fasern häufig mit synthetischen Fasern gemischt – diese haben den Vorteil, dass ihre Oberfläche sich entsprechend der geforderten Gebrauchseigenschaften in Griff und Struktur modifizieren lässt. Sabine Franke, Bekleidungsingenieurin und Fachreferentin bei PETA, erklärt, welche tierfreundlichen modernen Garne sich besonders für Socken, Pullover, Babykleidung und Co eignen.

„Bei der großen Auswahl an pflanzlichen und synthetischen Garnen auf dem Markt ist es kinderleicht, tierfreundlich zu stricken“, so Sabine Franke. „Moderne tierleidfreie Fasern sind nicht nur besonders widerstandsfähig und pflegeleicht, sondern auch extrem hautsympathisch und dadurch besonders gut für Allergiker geeignet.“

Tierleidfreie Garne und Mischungen entsprechend ihrer optimalen Einsatzgebiete:

  • Socken: Baumwolle ist hautsympathisch und einfach zu reinigen. Polyester transportiert Schweiß vom Körper weg und minimiert die Geruchsbildung. Polyamid sorgt für Elastizität, Polyacryl besitzt eine hohe Bauschfähigkeit und garantiert kuschelige Wärme. Empfohlene Garne: reine Baumwolle oder deren Mischungen mit Polyester, Polyamid und Polyacryl.



  • Mützen und Schals: Polyacryl hält kuschelig warm. Polyamid sorgt nicht nur für Elastizität und Geschmeidigkeit, sondern macht Mützen und Schals – wie Viskose – besonders weich.
    Empfohlene Garne: Polyacryl oder dessen Mischungen mit Viskose, Polyamid oder Baumwolle.



  • Pullover / Strickjacken: Aufgeraute Baumwolle hat ein gutes Wärmerückhaltevermögen; sie ist hautsympathisch und somit auch bestens für Allergiker geeignet. Polyacryl sorgt für extra Wärme und Polyamid sowie Polyester für Geschmeidigkeit – und dafür, dass Strickwaren in Form bleiben und nicht ausleiern. Empfohlene Garne: Polyacryl oder dessen Mischungen mit Baumwolle, Polyamid oder Polyester.



  • Kinder- und Babykleidung: Baumwolle eignet sich besonders gut für Kinder- und Babykleidung, da sie nicht nur kuschelig und pflegeleicht, sondern zudem sehr einfach zu verarbeiten ist. Polyamid hält die oft besonders beanspruchte Kleidung der Kleinen in Form, sodass sie nicht ausbeult. Empfohlene Garne: Baumwolle oder deren Mischungen mit Polyacryl und / oder Polyamid.



  • Sommerbekleidung wie Kleider, Röcke und Shirts: Leinen hat einen leichten Glanz, ist saugstark, schmutzabweisend und trocknet schnell. Viskose bietet einen weichen, geschmeidigen Griff und verhindert, dass sich die Kleidung elektrostatisch auflädt. Polyester und Polyamid verhindern, dass Sommerkleidung knittert. Empfohlene Garne: Leinen, Mischungen aus Viskose und Polyester bzw. Mischungen aus Viskose und Polyamid.



  • Wohnaccessoires wie Kissenbezüge, Decken und Tischsets: Kork ist sehr elastisch und strapazierfähig. Polyester macht Garn reißfest, Baumwolle sorgt für einen weichen Griff und gewährleistet zusammen mit Polyamid Geschmeidigkeit. Empfohlene Garne: Mischungen aus Kork, Baumwolle und Polyester oder Mischungen aus Baumwolle und Polyamid.


Jede gut sortierte Fachhandlung für Handarbeitsbedarf führt Garne aus pflanzlichen und synthetischen Materialien; auch in Onlineshops werden Kunden schnell fündig. Obwohl es „vegane Wolle“ an sich nicht gibt – denn als Wolle bezeichnet man Tierhaare –, kann diese Bezeichnung auf der Suche nach tierleidfreien Materialien dennoch behilflich sein. Viele Onlinehändler haben sich auf die steigende Nachfrage nach tierleidfreien Garnen eingestellt und bieten unter dem Begriff „vegane Wolle“ eine gesonderte Kategorie in ihren Shops. Wer die Suchfunktion in Onlineshops nutzt und den Filter gezielt auf die genannten Materialien setzt, findet ebenfalls leicht wollfreie Garne – dem Häkel- und Strickspaß steht also nichts mehr im Wege.

PETA Deutschland e.V. ist eine Schwesterorganisation von PETA USA, der mit über drei Millionen Unterstützern weltweit größten Tierrechtsorganisation. Ziel der Organisation ist es, durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Wir freuen uns über redaktionelle Berichterstattung.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Viele Grüße

Jana Fuhrmann